Rhythmus


Rhythmus ist das grosse Stiefkind bei den meisten Schülern. 

Wenn ich eine Reihenfolge aufstellen darf, was die Relevanz geordnet nach Komplexität in der populären Musik angeht, dann ist das:

1. Simpler Bass basiert auf den Grundton (Bass ist Boss und das Rückgrat der Songstruktur)

2. einfache Akkorde (kurze Teile einer Tonleiter)

3. Melodie (Tonleitern)

4. komplexe Akkorde (längere Teile einer Tonleiter)

5. Improvisation (Melodie und Akkorde und komplexerer Bassläufe)

und alles ist dem Rhythmus unterworfen, die oberste Instanz, der sich alles unterzuordnen hat. Wenn es nicht groovt, nicht fließt oder wenn kein Schlagzeuger zu einem Rockriff spielen kann, dann ist es Schrott. Der Zuhörer bemerkt in der Regel eher Fehler im Rhythmus als kleine Tonfehler. 


Akkorde zu "schrammeln” kann eine Königsdisziplin sein, wenn man entsprechende Ideen im Kopf und die Technik dazu beherrscht. Die allermeisten Gitarristen begnügen sich aber mit nur zwei/drei Standardrhythmen, so dass dich alles gleich anhört. 

Rhythmus besteht aus Weglassen, aus Abdämpfen aus leichten Verzögerugen, so das es swingt, groovt, shuffelt etc. Rhythmus besteht aus Abwechslung, die beats per minute, also die Anzählgeschwindigkeit sollte konstant bleiben, aber es ist ein Irrglaube, daß der Stil nicht mehrfach in einem Lied geändert werden darf. Rhythmus ist wie eine gute Rede, es wird Spannung aufgebaut, abgebaut, Ruhe, Sturm, Herzschlag erzeugt. 
Ein guter Rythmus ist das Gegenteil vom Disco Fox der Schlagerszene.

Zupfstile, Finger picking etc. sind ebenfalls nichts anderes als feste Rhythmusmuster ähnlich Tanzschritten. Auch hier scheint es üblich zu sein, ein Lied von vorne bis hinten mit dem selben auf Dauer langweiligen Zupfstil zu spielen. Auch hier ist alles erlaubt un dsollte geübt werden. Rhythmusimprovisation ! Jeder gute Gitarrist muss auch ein halber Schlagzeuger sein und wenn er noch mit dem Fuss irgendwelche Percussiongeräte bedient, ist er sogar ein ganzer Schlagzeuger! 

Auch bei der improvisierten Sologitarre ist der Rhythmus der Schlüssel zu abwechslungsreichem Stil und dann kann auch mit der Pentatonik und ein paar Zusatztönen eine Menge erreicht werden. Mit Hilfe von Rhythmus kann man ein aufregendes und spannendes Solo mit zwei/drei Tönen spielen, speziell in der Interaktion mit sich dahinter verändernden Akkorden / Basstönen.

Wer zählt hat in der Regel schon verloren. Auch hier gibt es viel bessere Techniken, um sich den innernen Schlagzeuger anzutrainieren.


Alles was ich hier zum Thema Rythmus geschrieben hat, gilt natürlich auch für das Keyboard / Klavierspiel!



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