Fühlen -Verstehen - Einfach

Musik fühlen, verstehen und dann einfach machen.

Musik fühlen:
Zuerst brauche ich einen emotionalen Zugang zum gewählten Musikstück. Es sollte mir aus den verschiedensten Gründen gefallen. Vielleicht wegen der schönen Melodie, des antreibenden Rhythmus, der tollen Stimme. Da gibt es viele Motive. Aber es muss uns ansprechen, sonst würden wir es nicht lernen wollen, bzw. nur mit erheblichen inneren Widerständen. Heißt also, wenn ich ein Lied vorschlagen würde, welches dir nicht gefällt, hat es kaum Sinn daran zu üben. Das Hirn wehrt sich dagegen. Es macht ihm keinen Spaß. Es lernt aber gerne, wenn es Spaß hat.

Man kann aber auch ein Gefühl für ein Musikstück entwickeln, welches einem am Anfang gar nicht gefallen hat. Oftmals sind das die etwas komplexeren Stücke, die nicht sofort in’s Ohr gehen sondern wo man sich erst reinfühlen muss und es am Ende immer mehr fühlt und dann auch versteht. 

Wenn das Musikstück mit zunehmendem Verständnis und Können dann gespielt wird, bleibt weiterhin das Fühlen der gespielten Musik ein wichtiger, für mich persönlich sogar der wichtigste Bestandteil des Musizierens. Jeder Ton sollte innerlich mit gefühlt werden. Mit dieser Technik, die ich praktiziere und unterrichte vermeide ich reines seelenloses runterdudeln von erlernten Techniken. Mein Ziel ist es nicht euch Virtuosität beizubringen, dass kann ohnehin kein Lehrer, da dies eher talentbedingt ist. Aber ihr könnt lernen Musik zu fühlen und zu verstehen und sie einfach zu machen. Damit komme ich zu 

Musik verstehen:
Dies ist der intellektuelle Anteil des Musizierens. Ich kann mich auf einzelne Technikaspekte konzentrieren und sie nacheinander einstudieren. Dies ergibt aber in den seltensten Fällen selbst nach langer Zeit ein flüssiges Musikstück und nutzt die Lernzeit vollkommen ineffizient. Das Gehirn mag Zusammenhänge, Vereinfachungen, Bilder anstatt vieler aneinandergereihter Details. Jazz Musiker, die ja nicht unbedingt die einfachste Musik spielen, fassen ein komplettes Stück auf einer Seite (den sogenannten Leadsheets) zusammen. Alle Details werden dann immer wieder neu “erfunden”, weil es sind ja nur Details, die nur von Musiker gebraucht werden, die zum Beispiel in einem Orchester spielen oder weil sie nicht selbst auf diese Details kommen. Ich zeige, was es alles für Möglichkeiten gibt, das Stück mit Details zu versehen. Dazu braucht es wieder Gefühl und Verständnis der technischen Möglichkeiten (Tonleitern, Akkorde, Spieltechniken etc.). Die beliebtesten Lieder in der Musikszene sind die, die ein interessantes Grundkonzept haben, welche dann von den Musikern mit Verstand und Gefühl immer wieder neu interpretiert werden. Musik verstehen beinhaltet auch ein Minimum an theoretischem Hintergrund, aber auch sehr praktische leicht anwendbare Tipps, welche dann beo passender Gelegenheit vermittelt werden (Ich weiss, manche haben einen Horror davor, aber es hilft ungemein.) 
Für den lernenden Musiker (und eigentlich lernt ein Musiker ein Leben lang weiter) bedeutet ein neues Stück erstmal auch es “einfach" zu spielen. Das heißt, das wirklich wesentliche des Stückes zu verstehen und sich erst einmal darauf zu konzentrieren. Und damit sind wir bei

Musik einfach spielen:
Ein doppeldeutiger Begriff. Einfach drauflosspielen, unvergeistigt, mit viel Gefühl und Spaß daran, ist ein Teil der Bedeutung. Es bedeutet aber auch erst einmal alle Details des Originals wegzulassen, den reinen Rohbau zu spielen und dann mit zunehmenden Verständnis und Können immer mehr Details und Varianten hinzuzufügen. Das bedeutet auch daß ein Lied ein Musikerleben lang mitwächst und sich verändert. Leider unterstützt das Internet mit seinen meisten sehr detailreichen Erklärungen nicht diesen für das Musikergehirn vorteilhaften Prozess des Wachsens. Idealerweise sollte man ein Lied in vielen Etappen mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad lernen. Das kommt im Internet aber leider nicht vor. Der unerfahrene Musiker weiss nicht, was bei all den gezeigten Details wichtig ist und was ich erst mal weglassen kann ohne dass es dem Lied schadet. Ganz im Gegenteil. Details, die nicht richtig gespielt werden, schaden dem Lied. Jede Rhythmusverletzung wegen zu komplizierter Details ist für den Zuhörer geradezu schmerzhaft. Musik einfach zu spielen, benötigt das Verstehen des Stückes. Sogenannte einfache Stücke benötigen es geradezu mit viel Gefühl gespielt zu werden. Der eher gefühllose Technik und Detailspieler hat gerade mit solchen einfachen Stücken ein Problem es mit Leben zu versehen. Wenn man es dann aber ganz einfach spielt aber mit viel Gefühl, dann schliesst sich der Kreis der Dreifaltigkeit Fühlen, Verstehen , Vereinfachen.

Aber nicht zu vergessen: Musik einfach spielen ist ein Prozess bei jedem Einüben eines neuen Stückes, egal ob Profi oder Anfänger. Erst Fühlen, vereinfachen und dann mit zunehmendem Verständnis immer komplexer und detailreicher zu machen.

Irgendwann hat man vielleicht alles in einem Stück verstanden und viele verschiedene Details und Interpretationsmöglichkeiten auf Lager. Aber was immer bleibt, ist das Gefühl, ob leicht oder höchst komplex gespielt.



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