Akkorde und Melodien

Ein Lied wird anhand der Melodie erkannt oder am Text. Deshalb sind diese beiden Komponten das, was rechtlich bei der Gema geschütz werden kann.

Der Mensch kann Melodien singen und jedes Instrument kann Melodien spielen. 

Aber nur die Gitarre und alle Tasteninstrumente (Orgel, Klavier, Cembalo, Synthesizer, Akkordeon etc. (welche ein passender Name!) kann auch die Akkordbegleitung übernehmen.

Begleitung klingt schon irgendwie abwertend. Auch gilt der Spruch wenn du gut bist, wirst du Solo- (Melodie) Gitarrist, sonst halt nur Rhythmusgitarrist und wenn du gar nichts packst, spielst du den Bass. Das gilt vielleicht für ganz einfache Musik, aber je komplexer und spannender die Musik ist, kehrt sich das Bild total um.

Bass ist Boss, und die Akkorde und die sich darin befindlichen Melodien machen Gitarre und Klavier erst zu dem aufregenden Instrument, welches es ist.

Man kann in einer Band, Bass, Rhythmus und Sologitarre auf drei Musiker verteilen. Oder versuchen alles in einer Person zu machen. Die Gitarre (und leichter beim Klavier) erlaubt das technisch, wenn man weiß, wie es geht. Dann erhalten die Akkorde ihre enorme Wichtigkeit.

Eine alleinstehende Melodie klingt verlassen und bekommt erst durch die Begleitung (Bass und Akkorde) eine erhebliche Aufwertung. Um so mehr, wenn es sich um ein eher dünnes Stimmchen handelt. Ein echter Opernstar kann Kraft seiner gewaltigen Stimme auch ohne Begleitung auskommen. Wiederum kann bei aussergewöhn-lichem Begleitungsspiel eine eher dünne Stimme von Vorteil sein, weil sie eben nicht von der Begleitung ablenkt, so dass die Begleitung schon von daher in den Vordergrund gelangt (z.B. Mark Knopfler, stelle man sich vor er wäre ein Tenor, keiner hätte je sein tolles Gitarrenspiel bemerkt.)

Jeder Akkord fängt erst mal mit einem Basston an (der Ton, nach dem der Akkord benannt wurde). Besagter Simpel Bassist spielt nur diesen einen Grundton im richtigen Rhythmus bis zum nächsten Akkordbasston und damit hat man schon die Struktur des Liedes. Wird der Bassist besser, spielt er noch ein paar Töne dazwischen oder spielt die einzelnen Akkordtöne (Terz, Quinte etc.). Auf alle Fälle ist er schwer verantwortlich für den in den Magen gehenden Rhythmus, oftmals darf er gar nicht so virtuos spielen wie er könnte, weil er für das Gesamtergebnis, die Basis des Songs verantwortlich ist. Ein sehr cooler Job ;-) Meistens haben sie tasächlich mehr theoretischen Background über den Akkordzusammenbau und Songstrukturen, als es die Gitarristen haben (speziell die Endlossologitarreros) und das obwohl sie ja nur Einzeltöne spielen. Gleiches gilt für deren Rhythmusgefühl (ich darf das sagen, ich war viele Jahre Gitarrist in Bands). Vielleicht liegt das an der basstypischen Konzentration auf das Wesentliche.

Zurück zum Akkord. Nach dem Grundbasston kommen weitere Töne dazu, die einen Akkord eine bestimmte Stimmung geben. Die Einfachen Dreiklänge als fröhlicher Dur und eher melancholischen Moll Klang. Weitere Töne lassen den Akkord zum Vier- Fünf-klang aufschwellen. Theoretisch sieben Töne, die dann die ganze Tonleiter abdecken. Je mehr Töne desto komplizierter die Musik, desto weniger Zuhörer. Mir reicht die Komplexität von maximal fünf Klängen. Ich vergleiche diesen Sachverhalt gerne mit Fastfood und Gourmetessen. Jeder etwas komplexere Akkord entspricht einem weiteren Gewürz. Irgendwann kann es aber zuviel werden. 


So. Und nun kommt die Melodie dazu, die sich quasi in den Akkord reinmummelt sich darin suhlt und wohlfühlt. Oftmals sagt sie mehrmals hintereinander das Gleiche und nur weil sich während der Zeit die Akkorde ändern, klingt die Aussage der Melodie jedesmal anders. Ein faszinierendes Erlebnis, was es gerade am Anfang nicht leicht macht, eine Melodie rauszuhören. Meist ist sie nämlich viel trivialer als man denkt und wird nur durch die Akkorde so interessant und scheinbar abwechslungsreich gemacht.


Wenn man dann als Musiker beides kontrolliert, also Akkorde und Melodie und nicht nur Sologitarrist oder gar nur Rhythmusgitarrist ist, dann hat man wirklich unglaubliche Ausdrucksmöglichkeiten. Ganz nebenbei erwähnt kann auch noch der Bass als Teil des Akkordes übernommen werden. Ob man nun Melodien auf den tiefen Bassaiten spielt oder auf den höheren ist prinzipiel das Gleiche. Nur Bassaiten haben eine starke rhythmische Power ;-)


…. to be continued ...



  

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